Hey Mike, Glückwunsch zur Gründung von Spieletexter! Wie bist du eigentlich darauf gekommen?

Ich lese, schreibe und spiele unheimlich gerne.

Na, da bist du ja nun wirklich nicht der Einzige.

Na gut: Wenn ich Texte von Freunden oder Kollegen lektoriere, finde ich meistens etwas, das optimiert werden kann, formal oder inhaltlich. Die meisten freuen sich über die gefundenen Fehler und meine Tipps zur besseren Lesbarkeit und Verständlichkeit ihrer Texte. Jemand fragte mal, ob ich das nicht beruflich machen wollte. Das führte schnell zur Überlegung, ob ich nicht auch Menschen außerhalb meines Bekanntenkreises helfen könnte. So war die Idee zu Spieletexter geboren.

Wieso spezialisierst du dich auf Spieletexte?

Schwer zu sagen. Vielleicht liegt es daran, dass meine Brüder und ich mit Brettspielen aufgewachsen sind und wir große Freude daran hatten. Das Kind in mir hat heute noch Spaß daran, neue Spiele zu erkunden, Regeln zu lernen und sie anderen beizubringen. Meistens darf dafür meine Frau herhalten und in nicht allzu weiter Ferne auch unser Nachwuchs.

Vielleicht liegt es daran, dass mir das Sprachenlernen und die Auseinandersetzung mit den zugrunde liegenden Strukturen und Logiken Spaß gemacht hat. Aus irgendeinem Grund ist es mir ein Anliegen, dass mein Lieblingshobby als Kulturgut ernst genommen wird. Ich glaube, dass gute sprachliche Qualität wesentlich zur positiven Wahrnehmung eines Werks beiträgt. Und ich beschäftige mich gerne damit, sowohl theoretisch als auch angewandt. 

Aspekte wie Thema, Design und Präsentation sind ja schon lange Kriterien, die für die Verleihung von Spielepreisen ausschlaggebend sind. Vielleicht setzt sich so etwas langfristig auch für guten Sprachgebrauch oder hohe Textqualität durch; ähnlich wie die Essener Feder, die ja nicht mehr verliehen wird. Dazu will ich als Spieletexter einen aktiven Beitrag leisten.

Wo finden sich denn überall Spieletexte?

Sie tauchen in vielfältiger Form auf und die folgenden Beispiele decken bestimmt nicht alles ab.

Bei den analogen Gesellschaftsspielen fängt das bei den Spielregeln, Kurz- oder Aufbauanleitungen, dem Spielmaterial und Kartentexten an, geht über Texte auf der Verpackung, bis hin zu Produktbeschreibungen und werbenden Texten für Print und Web, etwa für Webshops oder Kickstarter-Seiten. Im digitalen Bereich finden sich unter anderem In-Game- und Menütexte in PC- und Videospielen sowie in Spiele-Apps für Smartphones.

Daneben gibt es auch noch das Genre der sogenannten Spielbücher, engl. game books. Das sind interaktive Textabenteuer, in denen die Entscheidungen des Lesers ihn durch die verschiedenen Abschnitte und Erzählpfade des Buches führen. Nicht zu vergessen Rollenspielsysteme wie Das Schwarze Auge, Dungeons & Dragons, Shadowrun oder Pathfinder, deren Regelwerke und Ableger sehr große Textumfänge annehmen können.

Wichtig ist vor allem, dass Spieletexte fehlerfrei, aussagekräftig und zielgruppengerecht formuliert werden und natürlich zum Spiel selbst passen. Dieses muss sich ja aus der großen Masse abheben – auf der SPIEL 2017 beispielsweise wurden rund 1.200 Neuerscheinungen vorgestellt. Eine mittelmäßige Übersetzung oder eine schwer zugängliche Anleitung kann da schon mal ein Ausschlusskriterium für manchen Spielefreund sein. 

Aber ist es nicht so, dass auch der beste Text ein schlechtes Spiel nicht wirklich aufwerten kann?

Ich stimme zu. Es gilt aber auch, dass eine eigentlich tolle Spielerfahrung durch schlechte Texte getrübt werden kann, etwa wenn Tippfehler in den Regeln die Verständlichkeit und damit den Einstieg ins Spiel erschweren. Oder wenn bestimmte Ausdrücke nicht thematisch sind oder nicht in den erwarteten Spielejargon passen und dadurch für fragende Gesichter sorgen. Ich sage gerne: Funktioniert deine Anleitung nicht, funktioniert dein Spiel nicht.

Das heißt, du nimmst Autoren und Verlagen die eher ungeliebten Dinge ab und trägst dabei auch noch aktiv zu Sprachqualität und Qualitätsbewusstsein bei.

Ganz genau. Viele Verleger und Autoren können oder wollen sich keinen festangestellten Redakteur oder Marketing-Spezialisten leisten, und da komme ich ins Spiel.

Ich korrigiere, lektoriere und auf Wunsch texte ich auch neu und unterstütze beim Marketing. So können sich Spielemacher voll und ganz auf die wichtigeren und dringenderen Dinge konzentrieren: Erstklassige Spiele entwickeln, testen und veröffentlichen. Um Rechtschreibung, Grammatik, Stil und Marketingaktionen kümmere ich mich für sie.

Das klingt überzeugend. Wie kann man dich buchen?

Am einfachsten über eine E-Mail an anfrage@spieletexter.de oder über das Kontaktformular auf unserer Website

Planst du denn neben Lektorat, Redaktion und Übersetzung weitere Services oder Projekte?

Ja. Ich möchte an dieser Stelle nicht zu viel verraten, aber wenn es gut läuft, werde ich in Zukunft noch weitere Dienstleistungen und Tools anbieten, die AutorInnen und Verlagen helfen werden.

Aktuell steht die Akquise im Vordergrund, um die Basis zu sichern. Daneben liebäugle ich mit einem Bewertungssystem zur Auszeichnung besonders gelungener Regelmanuskripte, die bei uns eingehen.

Klingt gut. Ich habe gehört, du förderst auch bestimmte Autorengruppen und Arten von Spielen?

Das stimmt. Ich weiß die Hilfsbereitschaft vieler Menschen da draußen zu schätzen und mir selbst wurde auch schon oft geholfen. Dafür möchte ich gerne etwas zurückgeben. Nachwuchsautoren und Selbstverleger, die bisher höchstens zwei Spiele veröffentlicht haben, erhalten von uns eine kostenlose Korrektur Ihrer Spielregeln.

Außerdem behalte ich mir vor, bestimmte Leistungen für Autoren, Verlage und gemeinnützige Projekte vergünstigt oder kostenfrei anzubieten, wenn durch das Spiel besondere kulturelle, informative oder inspirierende Inhalte vermittelt werden oder diese Inhalte auf besonders kreative oder innovative Weise präsentiert werden. 

Na da dürfen wir uns ja auf einiges freuen. Vielen Dank für das Interview!

Gerne doch.

Michael freut sich, wenn er auch Ihr Spiel lektorieren oder Ihnen marketingseitig unter die Arme greifen darf. Schreiben Sie uns: anfrage@spieletexter.de.

 

Tom Vasel und icke

Rechts: Michael. Links: Tom Vasel, der wohl bekannteste US-amerikanische Spielerezensent und Videoblogger (SPIEL 2017)

Bonusfrage 1: Worin unterscheiden sich Korrektorat, Lektorat und Redaktion?

Beim Korrektorat geht es um die Beseitigung von Rechtschreib- und Grammatikfehlern, die korrekte Zeichensetzung und die richtige Satzstellung.

Das Lektorat schließt das Korrektorat ein und optimiert außerdem Verständlichkeit und Lesbarkeit von Texten. LektorInnen achten darauf, dass Inhalt und Aufbau der Texte logisch sind und die verwendete Sprache klar, präzise und konsistent ist. Darüber hinaus klären sie auch inhaltliche Fragen mit den AutorInnen.

Die Redaktion umfasst alles, was Layout und Formatierung des Textes bis zur Druckreife betrifft. Dazu gehört die Gestaltung von Text und Seiten, die Prüfung und Bearbeitung von Fußnoten, Zitaten, historischen Angaben und Verzeichnissen sowie die Schlussredaktion im finalen Layout. Ich selbst biete nur Text- und Schlussredaktion an. Visualisierung und Gestaltung überlasse ich Profis.

Bonusfrage 2: Mike, welche Spiele hättest du gerne erfunden bzw. entwickelt?

Das ist einfach. Magic: The Gathering, Smallworld und Starcraft =)